Windkrafträder in Hilbeck

Dieter Riewe - 18.01.2014

Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss: Oktober 2010
Windkrafträder in Hilbeck

Liebe Mitbürgerinnen und Bürger,
bezüglich der 80. Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt Werl (Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen Westhilbeck) gebe ich folgendes zu bedenken:

1. Naherholung
Die in der Vorlage ausgewiesene Fläche und ihre Randbereiche dienen in erster Line den Menschen in Hilbeck, Osterflierich, Steinen, sowie allen anderen Bürgerinnen und Bürgern des Umkreises zur Naherholung. Neben den 3,3 % der Waldfläche im Stadtwald, halte ich es für wichtig auf den Bau von Industrieanlagen in dieser Größenordnung zu verzichten. Schon jetzt sind die nahe gelegenen Bauten (Edeka, Turflon, ATU) für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und beeinträchtigen das Landschaftsbild. In Anbetracht der Tatsache, dass durch den Weiterbau der A 445 der östlich gelegene Teil Hilbecks überplant ist und langfristig zur Naherholung nicht mehr zur Verfügung steht, sind die Planungen von Industrieanlagen abzulehnen.


2. Vogelschutz
Der so genannte weiße Fleck in Bezug auf die FFH Richtlinie Vogelschutzgebiet Hellwegbörde ist unserer Meinung nach ein Formfehler, da die Gesamtplanung an der Trasse an der A 445 endet. Durch diesen Formfehler wird der Bereich in Westhilbeck überhaupt erst in Betracht gezogen. Ein von der „Interessengemeinschaft für Windkraftanlagen in Hilbeck“ in Auftrag gegebenes Gutachten der Firma Stelzig sagt aus, dass nur wenige unbedeutende Vogelarten in dieser Region durch die geplanten Anlagen betroffen wären. Dies wird von uns angezweifelt. Landschaftswächter und Ornithologen, sowie eigene Beobachtungen zeigen etwas anderes. Waldkautz, Schleiereule, Wiesenweihe, Rotmilan und weitere schützenswerte Vogelarten werden regelmäßig im Bereich der Seseke und der Waldfläche Heide bzw. Steinenerholz gesichtet. Der weiße Fleck und das von Stelzig erstellte Gutachten stehen im Widerspruch zu den täglich gemachten Erfahrungen von Bürgerinnen und Bürgern aus der Umgebung. Würde man dennoch der Argumentation von Stelzig folgen, es gäbe in diesem Bereich keine artgefährdeten Vögel, sollten wir dafür sorgen, dass gerade hier Landschafts- und Naturschutz greift. Es ist für die lärmgeplagten Anlieger der B63 nicht nachvollziehbar, wie seit 40 Jahren unter anderem wegen des Vogelschutzes der Ausbau der A 445 aufgeschoben wird und heute mit den gleichen Argumenten industrielle Großanlagen durchgesetzt werden sollen. In Bezug auf den Vogelschutz möchte ich gerne aus einem Vortrag der Partei der Grünen in der letzten Woche zum Thema Biogasanlagen und Massentierhaltung den agrarpolitischen Sprecher des Bundestages Karl-Friedrich Ostendorf mit zwei Kernsätzen zitieren: „Keine neuen Kleinkraftwerke in die Landschaft“ und „Die Windkraftanlagen an der A 44 haben sich zu reinen Vogelschreddern entwickelt.“

3. Landschaftsplan Werl
Der Landschaftsplan Werl sieht gerade für den Bereich der Seseke erhebliche und für den Naturschutz aus unserer Sicht positive Veränderungen vor. Im Kreis Unna, auf Hammer Gebiet bzw. in der Gemeinde Bönen sind mit erheblichem Kostenaufwand Verbesserungsmaßnahmen an der Seseke entstanden. Hier kann sich jeder heute schon ein Bild von den viel versprechenden Renaturierungsmaßnahmen machen. Das Ziel der Stadt Werl sollte sein, mit Bäumen, Säumen, Schutzhecken, Sträuchern und Seitengewässern das Landschaftsbild, welches sich in den letzten dreißig Jahren zum Nachteil verändert hat, zu verbessern. Hier geht es um Biotop- und Artenschutz zugunsten von Mensch und Tier. Daran sollten wir arbeiten. Industrieanlagen in dieser Größenordnung widersprechen dem Ziel des Landschaftsplans.

Werl, Oktober 2010